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Karl Heinz Hausmann in Zorge bei Harz Guss Foto: Harzkurier

9. September 2020: Harz Guss hofft auf eine einheitliche EU-Klimapolitik

Die Gießerei aus Zorge plant ihren Ofen von Kohle auf Strom umzustellen – das ist teuer und das Stromnetz zu schwach.

Aus HarzKurier Tageszeitung im Landkreis Göttingen, Ausgabe vom 7. September 2020

Von Christiana Auer

Zorge. „Wir suchen aktiv den Weg zur Politik, da wir in einer sehr großen Umbruchphase sind“, betont Torsten Stein, Geschäftsführer von Harz Guss Zorge, der den Landtagsabgeordneten Karl Heinz Hausmann (SPD) zu einem Gespräch eingeladen hatte. Und dieser Umbruch muss schnell erfolgen: Ab dem Jahr 2021 unterliegt das Unternehmen dem nationalen Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG).
Durch das Gesetz wird Kohle ab dem Jahr 2023 mit einem CO2-Preis belastet und das wird bei dem Unternehmen zu einem enormen Kostenanstieg in Millionenhöhe führen. Aufgrund dessen wird händeringend nach einer Lösung und nach alternativen Energieträgern zur Kohle gesucht.
Doch das ist eine große Herausforderung, die einen erheblichen finanziellen Aufwand mit sich bringen wird. Die Umrüstung des mit Koks betriebenen Kupolofens auf einen Elektroschmelzofen würde etwa 25 Millionen Euro kosten. Hinzu kämen die Ausgaben für die Installation von zwei 25 Megawatt Stromleitungen, die für den Betrieb eines Elektroofens benötigt würden.
„Wir haben nicht von heute auf morgen die Möglichkeit auf eine andere Technologie zu wechseln“, erläutert Frank Düssler, zuständig für den Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit bei der Georgsmarienhütte Holding GmbH, zu der Harz Guss gehört. „Wenn wir das Problem nicht im nächsten Jahr lösen, wird es schwierig. Dazu sollten wir möglichst viele Politiker ins Boot holen“, gab Hausmann eine erste Ein- schätzung, wie man weiterverfahren solle.
Zu Beginn des Gesprächs gab es zunächst eine Übersicht von Torsten Stein über Zahlen, Daten, Fakten, Technologien und Produkte des Unternehmens, im Anschluss eine Werksführung. Der Landespolitiker zeigte sich von der Produktion und den Produkten beeindruckt, ehe gemeinsam mit Carsten Hinz und Andreas Glaßmeyer von der Harz Guss-Führungsebene noch einmal grundsätzlich das Thema Klimapolitik in der Europäischen Union beleuchtet wurde.

Einheitliche Klimapolitik fehlt

Das Hauptproblem für das Unternehmen in Zorge konnten die Führungskräfte dabei schnell benennen: es gebe keine europaweit einheitliche Klimapolitik mit gleichen Voraussetzungen. Somit hätten beispielsweise polnische Gießereien außerhalb des EU-Emissionshandelssystems nicht so strenge Auflagen bezüglich des CO2-Ausstoßes – und dazu kaum Belastungen durch den CO2-Preis. Letzteres sind klare Wettbewerbsvorteile gegenüber Harz Guss Zorge. Torsten Stein zeigt sich deshalb auch besorgt: „Kunden könnten bei einem Preisanstieg zur Konkurrenz nach Polen wechseln“, beschreibt er ein mögliches Szenario. Frank Düssler merkte dazu an: „Die CO2-Thematik funktioniert nur, wenn es europaweit einheitlich ist.“ Zudem wird laut Düssler ein nationaler Cabon-Leakage-Schutz benötigt. Dadurch könne verhindert werden, dass Unternehmen ihre Produktion samt CO2-Emissionen ins Ausland mit weniger strengen CO2-Auflagen verlagern. Stein findet es außerdem sinnvoll, wenn produktbezogen ein Carbon Footprint ausgewiesen wird, damit genau aufgezeigt werden kann, wie viel CO2 bei welchem Produkt im Produktionsprozess ausgestoßen wird.

Abschließend sind sich alle einig, dass die Problematik BEHG gemeinsam angegangen werden muss, damit nach dem diesjährigen 150-jährigen Jubiläum im September von Harz Guss Zorge noch viele weitere folgen werden. Karl Heinz Hausmann versprach zudem: „Mein Ziel ist es zu helfen und mich dabei für die Region und meine Heimat einzusetzen. Ich rede mit Stephan Weil und Thomas Oppermann. Ich werde mich für die Problematik einsetzen und mich darum kümmern.“

Im Foto von links: Torsten Stein (Geschäftsführer), Karl Heinz Hausmann (SPD-Landtagsabgeordneter) und Frank Düssler.
Foto: Christiana Auer/HK

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