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11. März 2009: Gläserne Direktvermarktung immer noch schwierig

WIEDIGSHOF. Einen Lichtblick gibt es für Landwirt Matthias Schubert in Wiedigshof: Er sieht eine reelle Chance, über das Ende des Monats hinaus weiter schlachten zu dürfen. Das erfuhren die Mitglieder des Landtags-Arbeitskreises Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung bei einer Bereisung des Südharzes. Landtagsabgeordneter Karl Heinz Hausmann hatte den SPD-Arbeitskreis eingeladen.
Matthias Schubert möchte mit seiner Familie die Direktvermarktung weiter ausbauen. Wie bisher sollen auf dem Hof Tiere geschlachtet, zerlegt und zu Verkaufsware weiterverarbeitet werden. Anschließend bietet der Hof die Ware im Hofladen an. Und da das so gut angelaufen ist, will Matthias Schubert das Konzept weiter ausbauen. Ein Neubau ist geplant mit neuem Schlachtraum, einem Verarbeitungsraum und einem Hofladen. Daran soll als Wintergarten ein Hofcafé angebaut werden mit Blick auf die Natur. Überall soll es viel Glas geben, damit eine "gläserne Fleisch- und Wurstverarbeitung" entsteht. Von der Weide bis zum Teller soll die Lebensmittelproduktion auf dem Hof transparent und nachvollziehbar sein. Das Ganze soll dann zusätzlich in ein Tourismuskonzept eingebunden werden.
Bei den geplanten Investitionen von 230.000 Euro erhofft sich die Familie Zuschüsse aus europäischen und nationalen Programmen. Doch sind die Programme so zugeschnitten, dass das Gesamtkonzept Schubert durch alle Raster der Förderung herausfällt, obwohl gerade diese Form der Direktvermarktung politisch gewollt ist. Die Vorschriften sind so kompliziert, dass selbst Fachleute Schwierigkeiten haben, sie zu durchschauen. Vor mehr als einem Jahr hatte sich SPD-Europaabgeordnete Erika Mann schon einmal eingeschaltet, um die Auslegung europäischer Ziele in den Richtlinien Niedersachsens entsprechend günstig wiederfinden zu können. Doch auch das gestaltete sich unverhofft schwierig. Inzwischen sind die die Hygienevorschriften für kleine und mittlere Betriebe bundesweit soweit gelockert worden, dass man hier nicht mehr jeweils einen Raum für das Töten und einen für das Zerlegen der Tiere benötigt. Es reicht, wenn nach dem Schlachten der Raum gereinigt und dann zeitlich versetzt im gleichen Raum die Tiere zerlegt werden, wie das bisher bei Schuberts praktiziert wird. Allerdings muss die Verordnung noch im kommenden Monat den Bundesrat passieren. In Gesprächen mit einer Vertreterin des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) haben die Schuberts die Abläufe so verändert, dass sie nun darauf hoffen, dass ihre Zulassung für den Schlachtbetrieb über den 31. März hinaus bis zum Jahresende verlängert wird. Damit ist aber das Problem mit der Förderung des Neubaus mit Schlachtung, Hofladen und Hofcafé noch nicht gelöst. Die Landtagsabgeordneten schlugen nun vor, das Projekt in Einzelmaßnahmen oder Bauabschnitte aufzuteilen, um dann verschiedene Fördertöpfe nutzen zu können. Auf jeden Fall sagte Karl Heinz Hausmann (MdL) zu, mit den Zahlen noch einmal das Gespräch mit Niedersachsens Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen (CDU) in Hannover zu suchen, um eine praktikable Lösung zu finden.
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Große Gesprächsrunde in Schuberts Wohnzimmer: vorne links Umweltreferentin Carola Sandkühler, dann Karl Heinz Hausmann (MdL), Wiard Siebels (MdL), Dr. Thomas Forche, Karin Stief-Kreihe (MdL), Rolf Meyer (MdL) sowie Vertreter der Landwirtschaftskammer und das Ehepaar Schubert.

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