Hausmann mit Gabriel in Gittelde – Bundeshilfe für MPM?

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Das Unternehmen MPM Environment Intelligence KG in Gittelde will 3,5 bis vier Millionen Euro in den Standort investieren. Am Mittwoch kam Bundesumweltminister Sigmar Gabriel aus Berlin angereist, um sich in Begleitung von Karl Heinz Hausmann über die Pläne zu informieren. Nach einem längeren Gespräch mit den beiden Geschäftsführern Peter Kolbe und Manfred Müller-Gransee stellte der Bundesumweltminister Zuschüsse und Kredite in Aussicht.

 

Das spezielle Recycling-Unternehmen für Leiterplatten, das im Jahre 2004 aus der Fuba ausgegliedert wurde, will in eine völlig neue Technik investieren. Während bisher das Kupfer aus unbestückte Leiterplatten zurückgewonnen wird, sollen künftig auch die anderen Ausgangsstoffe von Leiterplatten in den Rohstoffkreislauf zurückgeführt werden.

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Begutachten die zu verwertenden Leiterplatten-Abfälle als Rohstoff: Geschäftsführer Müller-Gransee, Bundesminister Gabriel, Geschäftsführer Kolbe und Bundestagsabgeordneter Priesmeier. Im Hintergrund Karl Heinz Hausmann im Gespräch mit einem Sachbearbeiters des Umweltministeriums.
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In der Produktionshalle: rechts Karl Heinz Hausmann (MdL) und Dr. Helge Wendenburg aus dem Bundesumweltminiterium

Unbestückte Leiterplatten, meistens Stanzrahmen oder Fehlproduktionen, bestehen aus genau definierten Materialien, aus Metall und organischen Stoffen. Die Gittelder haben ein Verfahren entwickelt, mit dem man den etwa 25-prozentigen Anteil an Kupfer in sehr reiner Form heraustrennen und für die Hütten in günstiger Körnung anliefern kann. Der andere Anteil besteht vorwiegend aus Glasfaser, Harz und Brom. Das Brom macht die Leiterplatten schwer brennbar. Was sich in Elektrogeräten als sehr wertvoll erweist, wird beispielsweise bei der thermischen Verwertung zum Problem.

Seit 1994 hat das Unternehmen rund 50 000 Tonnen Leiterplatten aus ganz Europa verarbeitet. MPM Environment Intelligence ist in Europa alleiniger Anbieter dieses speziellen Recyclings. Rund 12 500 Tonnen Kupfer wurden seither zurück gewonnen.
Doch das genügt dem aufstrebenden Unternehmen nicht, das erst im Jahre 2007 mehr als eine Million Euro in eine Recyclinanlage für Bohr- und Fräsmehle aus der Leiterplattenproduktion investierte. Einerseits geht die Produktion in der europäischen Leiterplattenindustrie zurück, andererseits können die nicht verwerteten organischen Anteile nach der neuen Deponieverordnung nicht mehr abgelagert werden. "Der gesetzliche Druck zwingt uns, nach vorne zu sehen und neue Verfahren zu entwickeln", erläuterte Geschäftsführer Müller-Gransee. In einem ersten Schritt habe man sich auf die teilentstückten Leiterplatten aus den großen Zerlegebetrieben in Deutschland konzentriert und so den Ausfall mehr als ausgleichen können.

 
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Geschäftsführer Manfred Müller-Gransee, Minister Sigmar Gabriel, Dr. Wilhelm Priesmeier (MdB) und Karl Heinz Hausmann (MdL)
Fotos: K.H.Bleß

Ziel aber ist es, auch bestückte Leiterplatten zu verwerten. Rund 15 Prozent der 1,2 Millionen Tonnen anfallenden Elektroschrotts besteht aus Leiterplatten. Da sie unterschiedlich groß und unterschiedlich bestückt seien, gebe es ein Problem, die elektronischen Schaltelemente und anderen Teile industriell zu entfernen. Doch durch ein neu entwickeltes Verfahren, das sie selbst für den industriellen Einsatz weiterentwickelt hätten, sei das möglich. Und durch chemische Prozesse, für die die MPM ebenfalls ein Patent besitzt, sei es sogar möglich, den Kunststoffanteil der Leiterplatten heraus zu lösen, um diesen wieder nutzen zu können. Insbesondere den Gefahrstoff Brom könne man als Salz in den Wirtschaftskreislauf zurückführen.

Gabriel zeigte sich von dem Konzept überzeugt. Er wunderte sich, dass als Alternative nur die illegale Ausfuhr des Elektronikschrotts in arme Länder bleibt, wo dieser äußerst umweltschädlich verbrannt werde. In seinem Gespräch mit der Geschäftsführung und Ingenieuren stellte der Minister Zuschüsse aus dem Bundesinvestitionsprogramm in Aussicht. Doch sollten die Anträge schnell eingehen, da die Nachfrage nach den Zuschüssen aus dem Programm sehr groß sei. Außerdem wolle er das Gittelder Unternehmen unterstützen, Fördermöglichkeiten der KfW-Bank zu finden, damit die geplanten Investitionen finanziert werden können.

 
 

 


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