Wir werden weniger, älter und bunter

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Bis zum Jahr 2020 wird die Einwohnerzahl im Landkreis Osterode um 11 000 abgenommen haben. Gleichzeitig wird der Altersdurchschnitt steigen. Jüngere Familien ziehen weg, weil sie anderswo bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt sehen. Insgesamt wird unsere Gesellschaft kleiner, älter und bunter.
Wie geht man mit dieser Prognose um? Welche Konsequenzen hat das? Um diesen Themenkreis ging es in der Podiumsdiskussion in den Berufsbildenden Schulen II , zu der die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) eingeladen hatte. Auf dem Podium diskutierte auch Karl Heinz Hausmann mit.

 

Landtagsabgeordnete Frauke Heiligenstadt (SPD) aus Northeim, die auch in der Enquete-Kommission des Landtages mitgearbeitet hat, stellte umfangreiche Statistiken und Handlungsfelder für die Politik vor. Einen Schwerpunkt legte sie dabei auf die Bildung. Denn wenn es weniger junge Leute gibt, müsse man diese so gut es geht qualifizieren, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Dazu gehöre eine „gemischte“ Bildung statt Auslese und ein besserer Zugang zu den Hochschulen. Anstatt Studiengebühren zu erheben, sollte mehr in die Hochschulen investiert werden; die Chancen für ausländische Studenten müssten erleichtert und auch der Zugang für beruflich Qualifizierte zu den Hochschulen verbessert werden.

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Franz-Michael Hemesath, Dr. Manfred Eilts, Frauke Heiligenstadt, Moderatorin Angelika Weinfurtner, Karl Heinz Hausmann und Ralph Marschner
Foto: Bleß

SPD-Landtagskandidat Karl Heinz Hausmann zeigte die Konsequenzen für den Einzelhandel auf. Die Kaufkraft im Kreis Osterode sei inzwischen auf das Niveau von 1990 gefallen. Auch machten dem Einzelhandel die drei Oberzentren Braunschweig, Hannover und Göttingen zu schaffen, dazu die neuen Verkaufswege übers Internet. Als positiv bewertete er den Einzelhandel in Bad Lauterberg, der verhältnismäßig gut dastehe. Als Konsequenz für die Politik forderte er eine bessere Förderung des ländlichen Raumes, um die Lebensqualität hier zu fördern. Alleine seien die Gemeinden damit überfordert. Deshalb sei die Unterstützung durch das Land nötig. In diesem Zusammenhang kritisierte er erneut, dass die Landesregierung die großen Städte bei Verteilung der Steuereinnahmen bevorzuge.

Ralph Marschner, MEKOM-Geschäftsführer, wünschte sich neue Arbeitszeitmodelle für berufstätige Eltern, aber auch für ältere Arbeitnehmer, weil das Durchschnittsalter der Arbeitnehmer steige. Neben der Qualifikation und Motivation der Fachkräfte sei eine generationsübergreifende Wertschätzungskultur nötig. Ältere Arbeitnehmer sollten mehr als bisher ihre Erfahrung in die Arbeitsprozesse einbringen können.

Aus Sicht der Ärzte beschrieb Dr. Manfred Eilts die Entwicklung. Zunächst sei zu bedenken, dass mehr ältere Menschen auch mehr Arbeit für Ärzte bedeute. Insofern sehe er gelassen in die Zukunft. Da der Bedarf an Hausbesuchen aber zunehme und diese bei älteren Menschen mehr Zeit in Anspruch nehmen, müssten Hausbesuche besser honoriert werden, plädierte er. Gesundheitspolitik dürfe nicht allein wirtschaftlichen Aspekten unterstellt werden. Weiter sprach er sich für ein Netzwerk von Allgemein- und Fachärzten aus, um eine Entlastung für Mediziner zu erreichen.

Für den Landkreis Osterode ging Franz-Michael Hemesath auf die Schul- und Infrastrukturentwicklung ein. Weniger Kinder bedeutet, dass Grundschulen geschlossen werden müssen. Um auch in der Fläche ein breites Schulangebot bieten zu können, sei in Bad Sachsa – wie demnächst auch in Herzberg – eine Hauptschule mit einer Realschule zusammengelegt worden. Damit nutze man Synergieeffekte. Außerdem wies er darauf hin, dass weniger Einwohner auch zu mehr leer stehenden Häusern führen werden, besonders in den Innenstädten. Sie müssten vor dem Verfall bewahrt werden, um das Erscheinungsbild nicht zu trüben. Zudem: wenn junge Familien wegzögen, gebe es weniger Neubauten. Da sich die Infrastruktur wie Trinkwasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung nicht einfach zurückbauen lasse und die Fixkosten bleiben, werden die Gebühren mittelfristig steigen, sagte er voraus.

Die anschließende Diskussion führte zu dem Ergebnis, dass im Landkreis für junge Familien mehr investiert werden muss und dass er attraktiver für ältere Menschen werden soll. Durch bessere Bildung müssen die Potenziale der jungen Menschen, auch derer mit Migrationshintergrund, gefördert werden, um in einer bunter werdenden Gesellschaft auch im ländlichen Raum die Lebensqualität zu steigern. Dafür brauche die Fläche aber mehr Geld, das bisher schwerpunktmäßig in die Ballungszentren fließt.

 
 

 


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