Arbeit muss vernünftig bezahlt werden

Frühschoppen
 

Zu einem ausführlichen Meinungsaustausch mit Mitarbeitern der Firma Mende hat sich Karl Heinz Hausmann am Sonntag im Bad Grundner Atrium getroffen. Vertrauenskörperschaft und Betriebsrat hatten den SPD-Landtagskandidaten zum Frühschoppen eingeladen, um mit ihm über seine politischen Vorstellungen zu diskutieren. Unter der Gesprächsleitung von Wolfgang Ihlemann ging es um die Ursachen des Mitgliederrückgangs bei den Gewerkschaften, den Parteien und den Vereinen allgemein, um Fehlentwicklungen bei dem Engagement von Leiharbeiterfirmen und um notwendige Korrekturen bei der Integrationspolitik.

 

Bei den Mitgliederzahlen, so die Beobachtung von Hausmann, haben die Rückgänge bei Gewerkschaften, Parteien, Verbänden und Vereinen oft die gleiche Ursache. „Viele Leute können sich die Mitgliedschaft in verschiedenen Organisation nicht mehr leisten“, stellte er fest. Bei Einkommensrückgängen der Familien müsse man schon genau hinsehen, wo man sparen könne. Und so sei es oft eine Frage von persönlichen Kosten und Nutzen einer Mitgliedschaft. Gerade in einer Zeit, in der man mehr über Lohnsenkung anstatt über Einkommenssteigerungen sprechen müsse, sei bei Gewerkschaften die Entwicklung zu beobachten, dass die Zahl der Trittbrettfahrer größer werde. Arbeitnehmer, egal ob Gewerkschafter oder nicht, hätten auf den ersten Blick den gleichen Nutzen von der Arbeit der Arbeitnehmerorganisationen. Dazu komme, dass der Altersdurchschnitt in der Bevölkerung steige. Es kämen nicht so viele neue Mitglieder dazu wie alte Mitglieder stürben.

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In der Diskussion mit Vertrauensleuten und Betiebsräten der Firma Mende. 4. v.l.: Wolfgang Ihlemann

„Wisst Ihr Politiker eigentlich, wie es uns geht?“, fragte ein Diskussionsteilnehmer kritisch nach. Er habe beobachtet, dass Mitarbeiter in verschiedenen Firmen entlassen würden, sich dann bei Leiharbeiterfirmen anstellen ließen und dann für deutlich weniger Lohn in die ehemalige Firma geschickt würden um dort die gleiche Arbeit wie zuvor zu tun. „Arbeit muss vernünftig bezahlt werden“, sagte Hausmann, selbst Arbeitgeber. Der Mindestlohn, wie ihn die SPD fordere, müsse kommen. Ob 7,50 Euro die richtige Marke sei, könne man diskutieren. Dabei gab er aber dazu bedenken, dass ein Mindestlohn nicht gleichbedeutend sei mit Regellohn. Man war sich schnell in der Diskussion einig, dass niemand dauerhaft eine Familie mit einem Stundenlohn von 7,50 Euro brutto ernähren könne. Arbeitslohn müsse deutlich höher sein als Sozialhilfe oder der Regelsatz nach Hartz IV, damit sich die Arbeit auch lohne. Und auch 400-€-Jobber müssten gleiche Arbeitnehmerrechte haben wie Festangestellte.

Bei aller Klage über den zunehmenden Facharbeitermangel, so das Ergebnis der Diskussion, hätten die Unternehmen einen Großteil Mitschuld an der Entwicklung, wenn sie zu kurzfristig denken und nicht genügend ausbilden. Wenn ein Auszubildender einem Unternehmen teurer komme als ein Leiharbeiter, stimme etwas nicht. Da sei der Gesetzgeber gefordert, die Entwicklung umzukehren. Karl Heinz Hausmann stimmte dem zu mit dem Hinweis, dass damit – wie bei vielen Forderungen an die Politik – ein größerer Einfluss des Staates in der Gesellschaft verbunden sei. Es gebe einige Bereiche, wo mehr Staat nötig sei, um Fehlentwicklungen zu begegnen.

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Interessiert an seiner Meinung zu Mindestlohn, Leiharbeit, Integrationspolitik und Mitgliederschwund waren die Mende-Mitarbeiter, mit denen Karl Heinz Hausmann (l.) diskutierte
Fotos: Bleß

Am Ende der Diskussion standen Probleme bei der Integrationspolitik. Hier machten sich einige Versäumnisse aus der Vergangenheit bemerkbar, sagte Hausmann. Für eine Erfolg versprechende Integration von Ausländern seien deren Deutschkenntnisse erste Voraussetzung. Außerdem sei ein Kindergartenpflichtjahr für alle ein wichtiger kleiner Schritt in die richtige Richtung. Es seien aber deutlich mehr Initiativen von Bürgern im persönlichen Bereich nötig, um Zuwanderer in Vereine, in die Arbeitswelt und in das gesellschaftliche Leben insgesamt aufzunehmen. Es hätten sich schon vielerorts Parallelgesellschaften gebildet, also gesellschaftliches Leben in abgegrenzten Gruppen, die neben unserem öffentlichen Leben stattfinden, was zu großen Problemen führen werde, wenn man nicht politisch und im persönlichen Bereich gegensteuere.

 

 


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